Medikamentenmissbrauch und -abhängigkeit

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Medikamente können helfen, uns besser zu fühlen, Krankheiten zu heilen oder Schmerzen zu lindern. Doch was passiert, wenn man sie falsch einnimmt?

In diesem Beitrag erfährst du, was Medikamentenmissbrauch bedeutet, wie schnell man davon abhängig werden kann und wie du dich schützen kannst.

Wir zeigen dir auch, was du tun kannst, wenn du dir Sorgen um einen Freund oder eine Freundin machst.

Die folgenden Informationen stammen 
von Frau Dr. Ferrandi und Herrn Dr.
Tomsu von HANDS – dem Therapiezentrum
für Alkohol-, Medikamenten- und
Spielsucht in Bozen.

Was ist Missbrauch und Abhängigkeit von Medikamenten?

Medikamentenmissbrauch liegt vor, wenn du ein Medikament anders verwendest, als es der Arzt oder die Ärztin verschrieben hat.

Das ist der Fall, wenn:

  • ⬆️ man eine höhere Dosis als die verschriebene einnimmt,

  • 🙋 man Medikamente nimmt, die jemandem anderen gehören,

  • 📄 man die Medikamente, für die es ein Rezept braucht, ohne Rezept besorgt,

  • 💆 man mit den Medikamenten absichtlich einen Effekt von Euphorie oder Betäubung/Entspannung erzielen möchte.

Das ist gefährlich und kann zu einer Abhängigkeit führen.

Ähnlich wie bei anderen Formen der Abhängigkeit, etwa Alkohol, Nikotin oder illegalen Drogen, gerät die betroffene Person in eine Lage, in der sie den Konsum von Medikamenten nicht mehr unter Kontrolle hat oder aufhören kann, obwohl sie weiß, dass es ihrer Gesundheit schadet.

Wer abhängig ist, verspürt einen starken Drang, die Substanz einzunehmen, um sich einigermaßen normal zu fühlen und Entzugserscheinungen zu vermeiden.

Welche Medikamente machen abhängig und was sind die Folgen?

Medikamentenmissbrauch bzw. -abhängigkeit hat immer negative Auswirkungen auf die körperliche und psychische Gesundheit und auf das Sozialleben der betroffenen Personen.

Es gibt eine Reihe von Medikamenten, welche das potenzielle Risiko von Missbrauch und Abhängigkeit mit sich bringen. Hier ein paar Wirkstoffgruppen, die häufig missbraucht werden:

  • 😖 OPIATE UND OPIOIDE: Diese werden medizinisch oft bei starken Schmerzen verschrieben, aber auch weil sie einen quälenden Hustenreiz dämpfen können. Beispiele sind Morphium, Oxycodon, Codein oder Fentanyl.
    🚨 Sie haben eine atemdämpfende Wirkung, was in hohen Dosen oder einer Überdosis bis zum Atemstillstand führen kann.

  • 😰 BENZODIAZEPINE: Diese Medikamente helfen bei Angstzuständen, Schlafproblemen und Unruhe. Valium, Xanax, Tavor und Minias gehören zu den bekanntesten.
    🚨 Die dauerhafte Einnahme erzeugt Probleme auf der Ebene des Gedächtnisses und der kognitiven Leistungsfähigkeit. Sie verschlechtern die Stimmung und erhöhen das Risiko von Stürzen und Unfällen. Bei exzessiver Dosis oder in Kombination mit Alkohol kann ebenfalls lebensbedrohliche Atemdämpfung bis hin zum tödlichen Atemstillstand die Folge sein. Abruptes Absetzen von Benzodiazepinen erzeugt Angst und Schlafstörungen und erhöht das Risiko von epileptischen Anfällen.

  • 😬 STIMULANTIEN: Stimulantien, wie Ritalin, werden ausschließlich bei ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Störung) und Narkolepsie verschrieben.
    🚨 In zu hoher Dosis erhöhen sie die Körpertemperatur und verursachen Belastung des Herz-Kreislaufsystems, epilepsieartige Krampfzustände, Halluzinationen, aggressives und unkritisches Verhalten durch falsche Selbsteinschätzung und Paranoia.

Neben den gesundheitlichen Risiken führen diese Substanzen oft zu sozialen Problemen. Betroffene vernachlässigen zunehmend schulische oder berufliche Ziele und haben Schwierigkeiten in zwischenmenschlichen Beziehungen, da der Fokus immer stärker auf der Beschaffung und Einnahme des Medikaments liegt.

Wie und warum entsteht eine Abhängigkeit?

Jugendliche und Erwachsene greifen aus verschiedenen Gründen missbräuchlich zu Medikamenten. Häufige Auslöser sind der Wunsch nach Wohlbefinden, Euphorie oder einer besseren Stimmung, das Bedürfnis nach Entspannung und Stressabbau, das Bestreben, den Selbstwert in sozialen Situationen zu stärken, oder die Absicht, die Leistungsfähigkeit in Schule, Uni oder Beruf zu steigern. Auch das Gefühl von Einsamkeit kann eine Rolle spielen.

Es gibt bestimmte Risikofaktoren, die die Wahrscheinlichkeit eines missbräuchlichen Konsums erhöhen. Dazu gehören:

  • 🚬 Früherer oder bestehender Missbrauch bzw. Abhängigkeit von Nikotin, Alkohol oder anderen Substanzen

  • 🧑‍🧑‍🧒‍🧒 Personen, im näheren Umfeld wie Freunde, Partner*innen oder Familienangehörige, die selbst Medikamente missbräuchlich verwenden

  • 😞 Psychische oder psychiatrische Probleme wie Angststörungen oder Depressionen, bei denen die betroffene Person ohne ärztliche Beratung versucht, unangenehme Symptome mit Medikamenten zu lindern.

Damit es nicht zu einem problematischen, schädlichen Umgang mit Medikamenten kommt, gibt es ein paar wichtige Tipps:

  • 👩‍⚕️ Befolge immer die Anweisungen des Arztes oder der Ärztin. Nimm nur die verschriebene Dosis ein und ändere sie nicht eigenständig.

  • 💊 Teile deine Medikamente nie mit anderen. Animiere niemanden zur unsachgemäßen Einnahme. Auch wenn du es gut meinst, kann das gefährlich sein

  • 👨‍⚕️ Sprich offen über deine Fragen und Sorgen. Wenn du unsicher bist, Fragen zu Dosierung, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten/Alkohol hast: Rede mit deinem Arzt oder deiner Ärztin!

  • ℹ️ Informiere dich selbst. Je mehr du über die möglichen Gefahren von Medikamenten weißt, desto besser kannst du dich und andere schützen.

Was tun bei Medikamentenmissbrauch?

Wenn du das Gefühl hast, dass dein Medikamentenkonsum außer Kontrolle gerät, solltest du sofort handeln:

Rede mit einer Person, der du vertraust: Das kann jemand aus deiner Familie, eine Lehrkraft oder Freund*in sein.  Denn offen darüber und die damit verbundenen Sorgen reden zu können, ist der erste und wichtigste Schritt.

Hol dir professionelle Hilfe: Im Bezirk Bozen Stadt und Land findest du das Kompetenzzentrum HANDS, welches neben der Behandlung von Alkoholproblemen auch für Spielsucht und Medikamentenproblematik (vor allem Beruhigungsmittel) zuständig ist. Dort findest du Beratung und Hilfe durch Ärzt*innen, Psycholog*innen und Sozialarbeiterinnen und Erziehern.

Die Hilfeleistung ist gratis und du brauchst keine Überweisung vom Hausarzt*in.

Für junge Menschen zwischen 12 und 25 Jahren ist der Dienst YOUNG HANDS zuständig. Im Falle von Minderjährigkeit ist das Beisein eines Elternteils oder einer gesetzlich befugten Person vorgesehen.

Vielleicht hast du den Verdacht, dass ein*e Freund*in oder ein Familienmitglied ein Problem mit Medikamenten hat. In diesem Fall ist es wichtig, dass du nicht wegschaut:

  • 💬 Such das Gespräch. Teile deine Sorgen mit, ohne zu verurteilen, und biete deine Unterstützung an.

  • 🤗 Biete emotionale Unterstützung. Zeige, dass du für die Person da bist und dass sie auf dich zählen kann.

  • 🫴 Unterstütze die Person aktiv. Ermutigung zur professionellen Hilfe und auch, falls notwendig, Hilfe bei der Kontaktaufnahme mit Hausärzt*in und/oder fachspezifischer Einrichtung anzubieten und eventuell für die*den Betroffenene*n anzurufen oder Kontakt herzustellen.

HANDS bietet aber auch Familienangehörigen, Partner*innen, Freund*innen Gespräche an, selbst wenn die Person, welche ein Problem hat, Hilfe ablehnt.

ANLAUFSTELLE: HANDS und YOUNG HANDS

HANDS ist unter anderem das Therapiezentrum für Alkohol-, Medikamenten- und Spielsucht in Bozen.

YOUNG HANDS ist die Anlaufstelle für Suchtverhalten bei Jugendlichen und beschäftigt sich mit neuen Suchtphänomenen, welche besonders die europäischen jungen Generationen betreffen: Alkohol, Medikamente, Glücksspiel, Gamind und Social Media. Zielgruppe sind 12- bis 25-Jährige.

Vor allem Angehörige von suchtkranken Menschen wissen oft nicht, was tun, sind verzweifelt in ihrer Ohnmacht und trauen sich nicht, mit jemandem darüber zu reden. Die anwesenden Psychologen können die richtige Ansprechperson sein, um Sorgen, Ängste und Fragen loszuwerden.

Webseitewww.hands-bz.it bzw. www.young-hands.it
Instagramyounghands.bz
E-Mailinfo@hands-bz.it
Telefonnummer0471 270924
Gebührenfreie Infonummer800720762
AdresseDuca d’Aosta Allee 100 – 39100 Bozen

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