Du sitzt im Bewerbungsgespräch oder im Mitarbeitergespräch – und dann kommt die Frage: „Was stellen Sie sich gehaltlich vor?“ Plötzlich wird’s unangenehm. Zu hoch ansetzen? Peinlich. Zu niedrig? Schlecht für dich. Und einfach ausweichen geht auch nicht wirklich.
Vielen geht es so. Über Geld zu sprechen fühlt sich oft unsicher an – dabei betrifft es dein Einkommen und deine Zukunft. Die gute Nachricht: Gehalt kann man verhandeln.
In diesem Artikel erfährst du, wie du dich vorbereitest und bekommst nützliche Tipps!
Beim Thema Gehalt gilt: Du bist nicht machtlos – gute Vorbereitung hilft dir, selbstbewusst zu verhandeln.

Faire Bezahlung: Was steht dir zu und was kannst du verlangen?
Bevor du über dein Gehalt sprichst, solltest du zuerst wissen, was dir mindestens zusteht und was für deine Stelle realistisch und fair ist.
In Italien gibt es keinen einheitlichen gesetzlichen Mindestlohn für alle. Entscheidend ist deshalb der nationale Kollektivvertrag (NKV) – auf Italienisch Contratto Collettivo Nazionale di Lavoro (CCNL) – der für deine Branche und deine Stelle gilt.
Dort ist geregelt:
- 💶 Mindestlohn für deine Einstufung
- 💰 Zuschläge, zum Beispiel für Überstunden oder besondere Arbeitszeiten
- 📅 Arbeitszeit, Urlaub und Überstunden
- 🎁 13. oder 14. Monatsgehalt, falls vorgesehen
Zusätzlich sagt die italienische Verfassung, dass Arbeitnehmer:innen Anspruch auf einen Lohn haben, der zur Art und Menge der Arbeit passt und ein freies und würdiges Leben ermöglicht.
Kurz gesagt: Dein Lohn soll nicht willkürlich sein, sondern nachvollziehbar und fair. ⚖️

Was macht einen fairen Lohn aus?
Ein fairer Lohn hängt nicht nur vom Kollektivvertrag ab. Es zählt auch, was du mitbringst und welche Aufgaben du übernimmst.
Wichtig sind zum Beispiel:
- 🎓 deine Ausbildung und dein Abschluss
- 📋 dein Aufgabenbereich
- 🛡️ deine Verantwortung
- 🏭 die Branche
- 🗣️ deine Sprachkenntnisse
- 💻 deine digitalen Kompetenzen
- 💼 deine Berufserfahrung oder Praktika
- 📍 dein Arbeitsort und dein Betrieb
In Südtirol werden Gehälter oft als Monatsbetrag besprochen, manchmal aber auch als Brutto-Jahresgehalt. Damit du besser einschätzen kannst, was realistisch ist, solltest du dir zuerst den passenden Kollektivvertrag und die passende Lohntabelle anschauen.
Gute Orientierung bieten: öffentlich zugängliche Kollektivvertrags-Archive, Lohntabellen auf den Internetseiten der Gewerkschaften.
🔗 Hier findest du eine Aufstellung von Lohntabellen verschiedener Sektoren.
Dort sind die Mindestlöhne nach Branchen und Kollektivverträgen aufgelistet. So kannst du sehen, was dir je nach Job mindestens zusteht. 💶

So findest du deine Gehaltsvorstellung
Bevor du dich bewirbst oder in ein Gespräch gehst, stell dir ein paar einfache Fragen:
- 📄 Welcher Kollektivvertrag gilt für meine Branche?
- 📊 In welche Einstufung könnte meine Stelle fallen?
- 💶 Welche Mindestentlohnung steht dort?
- 🌟 Was bringe ich zusätzlich mit?
- 🚧 Wo liegt meine persönliche Untergrenze?
Am besten nennst du nicht nur eine fixe Zahl, sondern eine realistische Spanne. Das wirkt vorbereitet, aber trotzdem flexibel.
Zum Beispiel:
„Für diese Position stelle ich mir – je nach Aufgabenbereich und Einstufung – ein Bruttogehalt von … bis … vor.“
Wichtig: Deine Gehaltsvorstellung sollte realistisch sein. Vielleicht sagt dir jemand: „Verhandel doch, dann verdienst du mehr!“
Das kann funktionieren, muss aber nicht. Wenn deine Forderung abgelehnt wird, kannst du einen Kompromiss suchen oder dir überlegen, ob das Angebot trotzdem für dich passt.
Wo du nachschauen kannst
Um ein realistisches Gehalt einschätzen zu können, lohnt sich ein Blick in offizielle Quellen. Dort findest du zum Beispiel Mindestlöhne, Lohntabellen, Kollektivverträge und Informationen dazu, welche Regeln für deine Branche gelten. Für Südtirol und Italien sind besonders hilfreich:
- 🗂️ CNEL-Archiv für nationale Kollektivverträge
- 📊 Lohntabellen verschiedener Branchen auf den Internetseiten von Gewerkschaften (bspw. der SGBCISL Südtirol)
- 🤝 Allgemeine Informationen bei den Gewerkschaften
- 📄 branchenspezifische Kollektivverträge und lokale Landeszusatzverträge

Lohntransparenz: Was sich gerade verändert
In der EU wurden neue Regeln zur Entgelttransparenz beschlossen. Ziel ist, dass gleiche oder gleichwertige Arbeit fair bezahlt wird und Lohndiskriminierung – etwa zwischen Frauen und Männern – sichtbarer wird. Die Richtlinie sieht unter anderem vor, dass Bewerber:innen künftig besser über das vorgesehene Gehalt oder die Gehaltsspanne informiert werden sollen. Die Mitgliedstaaten müssen diese Regeln bis 7. Juni 2026 umsetzen. In Italien läuft die Umsetzung bereits.
Deshalb gilt schon jetzt als gute Orientierung:
- 🤔 Gehalt sollte nachvollziehbar und begründbar sein
- 🧐 Unterschiede im Team sollten auf sachlichen Kriterien beruhen
- 🗣️ du darfst dein eigenes Gehalt grundsätzlich ansprechen und vergleichen
- ⚖️ bei gleicher oder gleichwertiger Arbeit darf es keine ungerechtfertigte Diskriminierung geben
Besser ist hier also eine vorsichtige Formulierung: Nicht alles ist schon vollständig neu geregelt, aber die Richtung ist klar: mehr Transparenz, mehr Vergleichbarkeit, mehr Schutz vor unfairer Bezahlung.

Hinweis für Frauen
Wenn du eine Frau bist, lohnt es sich, beim Thema Gehalt besonders genau hinzuschauen.
In Südtirol liegt der Gender Pay Gap laut ASTAT bei rund 17 % – das bedeutet, dass Frauen im Durchschnitt weniger verdienen als Männer.
Deshalb ist es besonders wichtig,
👉 Gehälter zu vergleichen,
👉 über Geld zu sprechen und
👉 faire Bezahlung aktiv einzufordern.
Weitere Infos und Unterstützung findest du hier:
Und wenn ich jung bin und noch keine Berufserfahrung habe?
Gerade junge Menschen denken oft: „Ich kann wahrscheinlich eh nicht viel verlangen.“ Das stimmt so nicht.
Auch ohne Berufserfahrung gilt:
- ✅ Du hast Anspruch auf die korrekte Einstufung deiner Stelle.
- ⚖️ Dein Alter allein ist kein Grund für ein unfair niedriges Gehalt.
- 💼 Praktische Erfahrungen aus Schule, Ehrenamt, Ferialjobs, Praktika oder Vereinsarbeit können für die Verhandlung relevant sein.
- 🌟 Sprachkenntnisse, Selbstständigkeit, Zuverlässigkeit, digitale Skills oder Kundenkontakt sind ebenfalls ein Plus.
Realistisch ist bei einer ersten Stelle meist nicht, deutlich über dem branchenüblichen Einstiegsniveau zu starten. Aber du solltest dich mindestens am kollektivvertraglichen Mindestlohn orientieren und dann überlegen, was du zusätzlich mitbringst.
Eine gute Grundhaltung ist:
„Ich bin Berufseinsteiger:in, aber ich will korrekt eingestuft und fair bezahlt werden.“

Tipps für eine erfolgreiche Gehaltsverhandlung
Du hast dich informiert, welches Mindestgehalt für deinen Job vorgesehen ist, und dir überlegt, was du auf Basis deiner Kenntnisse, Erfahrungen und Qualifikationen als angemessen empfindest. Jetzt geht es ans Verhandeln – hier sind ein paar Tipps:
- 🙋 Gut vorbereiten: Informiere dich vorab über den Kollektivvertrag, Lohntabellen und Einstufung.
- 🔍 Nicht zu tief einsteigen: Nach unten verhandeln ist leichter als nach oben.
- 🎯 Spanne statt Fixbetrag nennen: z.B. „1.800–2.100 € brutto“ statt fixer Zahl, das wirkt professionell und kompromissbereit.
- 💡 Begründen statt rechtfertigen: Nenne Ausbildung, Sprachen, Motivation, Praktika, Verantwortung oder besondere Fähigkeiten.
- 🤝 Klar formulieren: Nicht zu vorsichtig, sondern sachlich und selbstbewusst.
- 📈 Untergrenze festlegen: Überlege vorher, ab welchem Betrag du nicht mehr zusagen würdest.
- ⚖️ Nicht nur auf den Lohn schauen: Auch Urlaub, Arbeitszeiten, Weiterbildung, Essensgutscheine, Fahrkosten, Homeoffice, flexible Zeiten, Zusatzrente, Gesundheitsfonds oder Prämie können wertvoll sein.
Merksatz für junge Bewerber:innen
Auch ohne viel Erfahrung musst du dich nicht unter Wert verkaufen.
Du musst nicht „dankbar für irgendwas“ sein, sondern darfst erwarten, dass deine Stelle korrekt eingestuft, nachvollziehbar bezahlt und fair behandelt wird.

ANLAUFSTELLE: Gleichstellungsrätin
Die Gleichstellungsrätin in Südtirol ist eine unabhängige Ansprechperson, die sich dafür einsetzt, dass alle Menschen am Arbeitsplatz gleich behandelt werden – egal welches Geschlecht sie haben.
Sie informiert und berät kostenlos und anonym und kann bei Bedarf zwischen den Parteien vermitteln.
| Webseite | www.gleichstellungsraetin-bz.org |
| Telefonnummer | 0471 946003 |
| info@consiglieradiparita-bz.org / info@gleichstellungsraetin-bz.org | |
| Adresse | Cavour Straße 23/c, Bozen |
| @gleichstellungsraetin_bz |
ANLAUFSTELLE: Gewerkschaften
Gewerkschaften sind Anlaufstellen für allgemeine arbeitsrechtliche Fragen
- Beratung zu Verträgen & Gehalt
- Unterstützung bei Problemen mit Arbeitgeber:innen
- Hilfe bei Konflikten oder Kündigung
Die wichtigsten Gewerkschaften in Südtirol sind:
