Waira über ihre Hassliebe zur Musik

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Camilla Cristofoletti ist 27 Jahre alt und als Musikerin bekannt unter dem Namen Waira.

Im Interview erzählt uns die Singer-Songwriterin aus Salurn, wie sie zur Musik kam, welche spezielle Bedeutung Zitronenbäume für sie haben und was ihre Pläne für die Zukunft sind.

Wie Ed Sheeran Waira zum Schreiben motiviert hat

Mit sechs Jahren habe ich angefangen klassische Gitarre zu lernen und dann habe ich es lange Zeit wieder gelassen.

Mit 15 Jahren habe ich dann das Album von Ed Sheeran gehört und besonders der Song The Man hat es mir angetan (ist übrigens immer noch mein Lieblingssong).

Ich dachte mir: „Boah, der kann schreiben!“.

Ab diesem Zeitpunkt habe ich dann angefangen, selbst Lieder zu schreiben. Mit 17-18 Jahren habe ich dann Akkorde gelernt und bin weiter in die Musik eingetaucht.

Wie bist du schließlich vom Kinderzimmer auf die ganz große Bühne gekommen?

Meine erste Band hatte ich mit Jasmin Franceschini, bis wir sie dann 2015 auflösten.

Ich hörte dann von einer Song Audition in Bozen, bei der ich teilnahm und zwei meiner selbst komponierten Lieder spielte. Daraufhin bekam ich die Möglichkeit, mit Mattia Mariotti (bekannter Gitarrist und Produzent, Anm. der Redaktion) meine erste Single aufzunehmen.

2016 überschlugen sich die Ereignisse und meine Gefühle fuhren Achterbahn.

Ja, 2016 überschlugen sich die Ereignisse und meine Gefühle fuhren Achterbahn. Du musst dir vorstellen, im Januar 2016 kommt dein erstes Lied raus, du meldest dich bei Upload Sounds an und kommst ins Finale, dann lernst du einen Promoter kennen, der dich nach London einlädt und das alles innerhalb von wenigen Monaten!

Im Januar 2016 hatte ich mein erstes Lied Don’t Cry herausgebracht und im Oktober des gleichen Jahres hatte ich ein Konzert in London. Es war unglaublich und ich konnte es kaum fassen. Von da an ging es Vollgas weiter.

Es folgte die EP Under a Black Hat und wir machten eine Releasshow. 2016- 2017 spielte ich sehr viel Konzerte, ich war sehr viel unterwegs. Das war schon ziemlich cool. Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, scheiße, das ist jetzt schon acht Jahre her, war es eine sehr, sehr spannende und tolle Zeit.

Zu viel Pop, zu wenig Indie

Allerdings konnte ich mich nicht 100-prozentig mit den Arrangements, die Mattia Mariotti für die Lieder gefunden hat, identifizieren. Das Album war generell ein bisschen zu Pop-lastig für mich.

Ich bin in die Popschiene gerutscht, das stört mich ein bisschen.

Am ehesten passt meine Musik in das Genre Indie/ Folk, doch da ich meine Arrangements nicht selbst mache oder nicht selbst machen kann, bin ich in die Popschiene gerutscht. Ich will ehrlich sein, das stört mich ein bisschen, aber es ist, was es ist und es ist Pop, leider (lacht).

Was mich persönlich auch stört ist, dass Singer-Songwriter Musik oft als Lounge Musik abgetan wird, die im Hintergrund läuft und als Berieselung der Menschen dient, während sie reden, etwas trinken, usw. Das finde ich schade und auch ein Stück weit respektlos.

Man denkt sich etwas dabei, wenn man ein Lied schreibt und man steckt seine tiefsten Gefühle hinein und dann wird es nur so im Hintergrund gespielt.

„This is a song about a lemon tree“ steht im Abspann deines Songs Jolene. Worum geht’s wirklich?

Ja, der Song Jolene ist im September 2022 erschienen und handelt wirklich nur um einen Zitronenbaum (lacht). Nein, natürlich steckt viel mehr dahinter. Im Song geht es um eine Trennung, die mich hart getroffen hat und bei der ich zwei Jahre brauchte, um mich aus dieser Beziehung zu lösen.

In der Beziehung haben wir uns einen Zitronenbaum geschenkt. Ein paar Monate nach der Trennung habe ich meinen Exfreund wieder getroffen und wir haben darüber geredet, wie wir den Zitronenbaum genannt haben und kamen nicht auf den Namen. Schließlich fiel er mir wieder ein, Jolene, und so kam es, dass ich dieses Lied schrieb.

Der Zitronenbaum symbolisiert für mich diese Beziehung und steht dafür, dass ich meinem Exfreund, alles gegeben habe, auch wenn das jetzt im Nachhinein betrachtet vielleicht nicht so ganz stimmt

Machen wir einen Schritt zurück: Wie bist du eigentlich auf deinen Künstlernamen gekommen?

Mit dem Name Waira kam ich das erste Mal in Kontakt, als ich als Kinder-Animateurin in einem Nobelhotel auf der Insel Elba arbeitete.

Die Zeit dort war sehr intensiv für mich, die Arbeitsbedingungen waren katastrophal. Der Kontrast zwischen Ausbeutung der Angestellten und den Gästen, die dieses Hotel besuchte – berühmte Persönlichkeiten mit deren Familien, Bodyguards usw. – das wurde mir irgendwann zu viel. Ich suchte Abstand und Ruhe am Stand.

Bereits als Kind entwickelte ich eine Faszination für die Urvölker Nordameikas.

Da lernte ich eines Tages einen Mann kennen, der mich an einen amerikanischen Ureinwohner erinnerte. Er hieß Inti, kam aus Peru und der sprach Quechua, eine Sprache, die im östlichen Tiefland Perus zu finden und mittlerweile leider vom Aussterben bedroht ist. Aber zurück zum Thema.

Wir freundeten uns also an und ich besuchte ihn immer öfter nach der Arbeit, am Strand. Ab einem gewissen Zeitpunkt fing er an, mich „Waira“ zu nennen. Ich fragte nach dem Grund und er sagte: „Du bist wie der Wind, >Waira< heißt Wind auf Quechua.“

Und so wurde Waira Jahre später zu meinem Künstlernamen.

Wairas Hassliebe zur Musik

Zurzeit tue ich mich schwer, den richtigen Zugang zu Waira zu finden. In meiner Musik gibt es viel Drama und unschöne Momente, die ich versuche mithilfe der Musik aufzuarbeiten. 

Neue Musik schreibe ich auch nur, wenn es mir richtig scheiße geht. Ich weiß nicht, mit der Zeit ist eine Hassliebe zur Musik entstanden. Wenn es mir schlecht geht, schreibe ich. Das hat dann eine therapeutische Wirkung auf mich und es geht mir gut. Ein Ventil also.

Werden wir in Zukunft mehr von Waira hören? Und welche Pläne hat Camilla?

Die Person Camilla hat sehr viel vor, ist sehr breit gefächert und wird noch viele Projekte umsetzen und ausprobieren. Waira und die Musik sind ein wichtiger Teil von ihr, aber sie will nicht, dass das zum Stressfaktor wird.

Waira und die Musik sollen nicht zum Stressfaktor werden

Ich habe einen guten Freundeskreis gefunden, mit dem wir auch Jolene aufgenommen haben und ich kann mir vorstellen, das auch in Zukunft mit anderen Songs zu machen, Material habe ich genug. Ich brauche manchmal einen Schubser von außen, aber wieder was aufzunehmen könnte ich mir gut vorstellen.

Es ist vieles passiert, das ich mir nie erträumt hätte, doch eine Sache, würde ich noch gerne erreichen, und zwar, dass bei einem Konzert das Publikum meine Lieder im Chor mitsingt. Ich finde große Menschenmengen, die ein Lied zusammen singen, extrem kraftvoll und inspirierend.

Das wäre ein Traum, den ich mir noch erfüllen möchte.

Ein Interview von Max Silbernagl, Februar 2024

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