Eier, Kronjuwelen, Nüsse, Palle…
Für die Hoden gibt es ganz schön viele Worte, aber sehr wenig Aufklärung über die Krankheiten, die sie betreffen können.
Darunter auch Krankheiten, die besonders häufig junge Männer betreffen.
Höchste Zeit darüber zu reden und zu klären, wie man die Krankheiten erkennt und verhindert!
Gentleman, it’s time to check your X!
Die Informationen für diesen Artikel stammen von der Kampagne Check your X des Südtiroler Sanitätsbetriebes.
Check your X – Selbstabtastung!
Wusstest du, dass du viele mögliche Erkrankungen ganz einfach selbst erkennen, ober besser gesagt, ertasten kannst?
Das Abtasten des Hodens ist keine Kunst, es geht ganz easy und dauert auch nicht lang.
Einmal im Monat ist sicher nicht verkehrt! Im Bett, Bad, Dusche oder auf der Toilette ist völlig egal, Hauptsache du machst es!
Wichtig ist, dass du es regelmäßig machst, denn so entwickelst du ein Gefühl für deine Hoden und kannst dann auch eventuelle Veränderungen feststellen.
Und so gehts:
- 🫴 Von unten befühlen: Überprüfe zuerst den einen Hoden, dann den anderen. Nimm ihn in deinen Handfläche, heb ihn nach oben, teste Gewicht und Größe. Dass sie unterschiedlich groß und schwer sein können, ist ganz normal – nur wenn sie sich in kurzer Zeit verändern, solltest du das abklären lassen!
- 🤏 Hin und her drehen: Untersuche jeweils einen der beiden Hoden, indem du ihn mit einer Hand festhältst und vorsichtig zwicshen Daumen, Zeige- udn Mittelfinder der anderen Hand hin und her drehst und abtastest. Die Oberfläche sollte glatt und ohne Erhebungen oder Verhärtungen sein.
- 👆 Fokus auf die Details: Suche mit den Fingern nach möglichen Knötchen, weichen oder rundlichen Schwellungen, neu gebildeten Ansammlungen, Verhärtungen, Unebenheiten oder Erhebungen.
- 🪞 Check im Spiegel: Schau dir deine Hoden am Ende im Spiegel an. Wirken sie geschwollen oder vergrößert?
Falls sich etwas komisch anfühlt oder sich verändet hat, solltest du das auf jeden Fall abchecken lassen, um auf Nummer sicher gehen!
Der direkte Draht zum*r Urologen*in in deiner Nähe:
Bozen: 0471 438 686
Meran: 0473 264 099
Brixen: 0472 812 930
Beschwerden und mögliche Krankheiten
Hier findest du einen kurzen Überblick welche Symptome auf welche Krankheiten hindeuten könnten.
Falls du Unregelmäßigkeiten oder Veränderungen entdeckst, solltest du das immer von einem Arzt oder einer Ärztin abklären lassen.
Die richtige Anlaufstelle dafür ist die Urologie bzw. der/die Urologin – so nennt man die Fachärzte für die männlichen Geschlechtsorgane.
Skrotal- oder Hodentrauma – Schmerz, Verhärtung, Schwellung, Rötung
„Ein Hodentrauma ist eine Verletzung des Hodens, die meist durch äußere Einflüsse entsteht, etwa wenn stumpfe Gewalt auf den Hoden oder den Hodensack einwirkt. Ein Fahrrad, Auto- oder Motorradunfall, ein Kampf oder eine Sportverletzung oder auch ein unglücklicher Skateboard-Slide, sind typische Ursachen von Hodentraumen. Offene Verletzungen oder Abschürfungen des Hodensacks sind seltener.
Je nach Verletzungsart kann beispielsweise eine entsprechende Creme bereits Abhilfe schaffen. Manche Verletzungen, beispielsweise wenn das Gewebe durchbohrt ist, müssen auch operativ versorgt werden. Lass dir die Verletzung auf jeden Fall anschauen, vor allem, wenn du Schmerzen hast, es heftig blutet
Hodentorsion – Schwellung, Rötung, Verhärtung, Schmerz
Bei einer Hodentorsion dreht sich der Hoden um seine eigene Achse, zum Teil sogar mehrfach, womit es zu einer Unterbrechung der Blutzirkulation kommen kann. Achtung, denn dies ist eine absolute Notfallsituation! Durch die unterbrochene Durchblutung kann es zum Absterben und somit zum Verlust des Hodens kommen. So ein Fall gehört also sofort operiert!
Symptome dafür können plötzlich auftretende, starke Schmerzen sein und es kann gleichzeitig auch zu Übelkeit und Erbrechen kommen. Der Schmerz kann aber auch in den Bauch und die Leistengegend ausstrahlen. Der Hodensack ist auf der betroffenen Seite eventuell gerötet, angeschwollen und steht manchmal höher als die nicht betroffene Seite. Egal ob du alle Symptome zuordnen kannst oder nicht – als Faustregel gilt immer: Hast du Hodenschmerzen, sofort checken lassen.
Hydatiendentorsion – Schmerz, Verhärtung, Schwellung, Rötung
Ähnlich wie bei der Hodentorsion, wo sich der Hoden um die eigene Achse dreht und damit die Blutzufuhr eingeschränkt ist, ist auch die Hydatidentorsion durch eine Verdrehung verursacht. Nur sind es hier nicht die Hoden selbst verdreht, sondern das dortige kleine Anhängsel, die sogenannten Hydatide.
Dies kann in jedem Lebensalter vorkommen, vorwiegend trifft es jedoch Jungen im Vorschul- und Schulalter. Die Symptome sind auch hier sehr ähnlich wie bei der Hodentorsion: plötzlich einschießende Schmerzen, geröteter und geschwollener Hodensack. Zusätzlich kann es auch zu Übelkeit und Erbrechen kommen. Und manchmal zeigt sich ein kleiner, blauer Knoten, direkt unter der Hautoberfläche des Hodensacks, was als typisches Zeichen für eine Hydatidentorsion gedeutet werden kann. Man spricht von einem „Blue Dot Sign“
Wie bei allen Hodensymptomen, die mit Schmerzen verbunden sind, gilt auch hier: sofort checken lassen! Nicht warten, auch wenn Feiertag ist, deine Uhr grad 4 Uhr morgens zeigt oder du grad im Urlaub bist.
Nebenhodenentzündung – Schmerz, Schwellung, Rötung
Bei der Nebenhodenentzündung (Epidydimitis) handelt es sich um eine Entzündung des Nebenhodens. Sie kommt vorwiegend bei Erwachsenen vor, aber auch schon vorher sind vermehrt zwei Altersgipfel zu verzeichnen: im ersten Lebensjahr und zwischen dem 12. und dem 15. Lebensjahr.
Dabei kommt es zu einer schmerzhaften Schwellung und Rötung des Hodensacks, in 11–15 % der Fälle tritt gleichzeitig Fieber auf. Häufig ist die Ursache einer akut auftretenden Nebenhodenentzündung, bei präpubertierenden Jungen nicht wirklich klar, selten kann aber auch eine sexuell übertragbare Krankheit bei bereits aktiven Jugendlichen die Ursache sein.
Unbedingt anschauen lassen, um die Entzündung im Griff zu bekommen.
Hodenentzündung – Rötung, Schmerz, Schwellung
Eine Hodenentzündung (Orchitis) ist eher selten und betrifft meist nur einen Hoden. Sie wird oft durch eine Infektion ausgelöst und tritt häufig zusammen mit einer Nebenhodenentzündung auf. Mit der richtigen Behandlung heilt sie in den meisten Fällen innerhalb von Wochen ohne Folgen aus.
Falls du Symptome wie Schmerzen, Schwellung, Rötung, Hitzegefühl im Hoden, Fieber oder Probleme beim Wasserlassen bemerkst, lass das bitte möglichst bald ärztlich abklären. Ohne Behandlung können bleibende Schäden und in seltenen Fällen schwere Komplikationen wie Abszesse oder eine Sepsis entstehen, die die Fruchtbarkeit beeinträchtigen könnten.
Hodentumor – Verhärtung, Schwellung (selten: Rötung, Schmerz)
Ein Hodentumor ist eine Geschwulst am Hoden, die gutartig oder eben auch bösartig sein kann.
Meist macht sich so ein Tumor durch eine lokale Verhärtung bemerkbar, eine eventuelle schmerzlose Schwellung oder eine Größenzunahme des betroffenen Hodens. Jede Verhärtung und/oder Vergrößerung des Hodens ist verdächtig und muss unbedingt untersucht werden.
Also unbedingt regelmäßig selbst abtasten, natürlich auch, wenn man bisher keine Erkrankungen oder Probleme hatte. Einmal im Monat ist perfekt und so hat der Hodentumor keine Chance!
Hodenhochstand, Hodenfehllage, Leistenhoden
Die Hoden entstehen in der Bauchhöhle und wandern etwa zum Zeitpunkt der Geburt durch den Leistenkanal in den Hodensack. Dieser Deszensus kann verzögert auch im Laufe des 1. Lebensjahres stattfinden. Wenn einer oder beide Hoden außerhalb des physiologischen, also natürlichen, Weges Richtung Hodensack liegen, spricht man von einem ektopen Hoden. Der Hoden kann dabei an verschiedenen Stellen zu liegen kommen: nahe der Peniswurzel, im Bereich des Oberschenkels oder zum Beispiel auch am Damm. Die häufigste Form der Hodenektopie ist jedoch der epifaszial liegende Hoden, wobei der Hoden auf Höhe des Leistenkanales oberhalb der Bauchwandfaszie liegt.
Normalerweise wird dies bereits bei der Geburt festgestellt und im Weiteren operiert. Falls dir dennoch auffallen sollte, dass deine beiden Hoden nicht, oder nicht immer, im Hodensack liegen, lass dir das auf jeden Fall ansehen, um schwerwiegende Spätfolgen, wie Unfruchtbarkeit oder Hodentumor, zu verhindern.
Ein Hodenhochstand ist eine der häufigsten angeborenen Fehlbildungen. Er kommt bei etwa 1–4,6 % der termingerecht geborenen Jungen vor. Weitaus häufiger, nämlich bis zu 45%, bei Frühgeborenen.
Pendel- oder Gleithoden
Bei einem Pendelhoden liegt der Hoden zwar im Hodensack, wo er hingehört, bei bestimmten Reizzuständen kann es jedoch vorkommen, dass er nach oben in den Leistenkanal oder sogar bis in die Leiste wandert. Ein Grund dafür kann der sogenannte „Kremasterreflex“ sein: Durch Kälte (kalte Hände, kaltes Wasser) oder mechanische Reizung wird der Hoden durch einen Muskelzug hochgezogen. Wichtig ist, dass er sich gleich nach der Reizung wieder eigenständig in den Hodensack zurück verlagert. Also achte bitte unbedingt darauf! Falls der Hoden nicht zurückwandert, musst du dir das anschauen lassen, um Spätfolgen auszuschließen.
Bei einem Gleithoden kann der Hoden zwar in den Hodensack gezogen werden, er ist also „verlagerbar“, aber gleich nach dem Loslassen gleitet er wieder Richtung Leiste oder Leistenkanal zurück. Lass dir das unbedingt ansehen. Dies muss operiert werden, um mögliche Spätfolgen wie Unfruchtbarkeit oder einen Hodentumor zu verhindern.
Hydrozele – Schwellung (meist schmerzlos)
Die Hydrozele des Hodens, auch Wasserbruch genannt, ist eine Flüssigkeitsansammlung um den Hoden im Hodensack. Meist ist sie schmerzlos, der Hodensack selbst fühlt sich prall, aber elastisch an.
Eine Hydrozele kann auch angeboren sein. In diesem Fall hat sich der Verbindungskanal zwischen der Bauchhöhle, in der sich der Hoden vor der Geburt bildet, und dem Hodensack, in welchen er dann normalerweise auch noch vor der Geburt wandert (siehe auch Hodenhochstand), nicht wie üblich von selbst geschlossen. Das ist gar nicht so unüblich, denn bei 80–94 % der Neugeborenen und sogar bei 20 % der Erwachsenen ist diese Verbindung noch offen. Bleibt dieser Befund über das erste Lebensjahr hinaus bestehen, wird man die offene Verbindung operativ schließen, da ein Spontanverschluss zunehmend unwahrscheinlicher wird.
Eine Hydrozele kann sich auch in Folge einer Entzündung oder eines Traumas entwickeln.
Wenn du also merkst, dass mit deinem Hoden etwas nicht so ist, wie sonst, solltest du dir das unbedingt ansehen lassen. Und denk an die Faustregel: wenn du plötzliche Schmerzen hast, warte keinesfalls ab. Auch nicht, wenn Wochenende ist, 3 Uhr nachts, oder du eigentlich etwas ganz anderes vorhast!
Varikozele
Eine sogenannte Varikozele liegt dann vor, wenn sich im Bereich des Samenstranges Krampfadern gebildet haben. Sehr häufig passiert dies in der Pubertät: 14–20 % aller Jugendlichen sind davon betroffen, in 78–93 % der Fälle tritt sie auf der linken Seite auf.
Die Varikozele verursacht meist keine Symptome, deswegen wird siesehr häufig erst bei einer ärztlichen Routineuntersuchung entdeckt. Selten treten Schmerzen in der Leiste oder eine Schwellung der betroffenen Seite am Hodensack auf. Ebenso können Spannungsgefühle, Schweregefühl oder dumpfe, ziehende Schmerzen auftreten, welche dir natürlich selbst auffallen würden.
Bis jetzt ist noch nicht geklärt, ob die Varikozele zu 100% Einflüsse auf das Hodengewebe haben kann, nämlich ob Faktoren wie ein auftretender Temperaturanstieg, ein eventueller Sauerstoffmangel sowie ein Rückfluss von speziellen Stoffwechsel-Substanzen mögliche Ursachen für Fruchtbarkeitsprobleme sein könnten, welche bei zirka 20 % der Fälle feststellbar sind. Also auf jeden Fall checken lassen!
Was tun, wenn etwas nicht stimmt?
Falls dir bei der Selbstuntersuchung etwas auffällt kannst du beim Urologen oder bei der Urologin in deiner Nähe anrufen:
- Bozen: 0471 438 686
- Meran: 0473 264 099
- Brixen: 0472 812 930
Bei akuten Schmerzen bitte direkt die Urologie kontaktieren oder in die Notaufnahme gehen!
Mehr Infos findest du auf der Website: Check your X
