Gewalt an Frauen

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In Italien wird im Durchschnitt alle drei Tage eine Frau getötet – meistens vom Partner, Ex-Partner oder einem männlichen Familienmitglied.

Gewalt gegen Frauen gibt es auch in Südtirol – jeden Tag. Sie kann körperlich, psychisch, sexualisiert oder finanziell sein. Die Formen der Gewalt reichen von sexistischen Sprüchen im Alltag bis hin zu Feminiziden (der Tötung von Frauen, weil sie Frauen sind).

Diese Fakten zeigen, dass Gewalt gegen Frauen ein Problem unserer gesamten Gesellschaft ist und uns alle betrifft. Darum ist es wichtig, über dieses Thema zu sprechen, Menschen zu sensibilisieren und aktiv etwas dagegen zu tun.

Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen

Gewalt gegen Frauen ist nicht nur körperlich

Gewalt an Frauen* oder geschlechtsspezifische Gewalt ist vielschichtig und äußert sich in verschiedenen Arten:

  • 🤜 Physische, sexualisierte und/oder psychische Gewalt

  • 👰 Zwangsheirat

  • 🍆 Genitalverstümmelung

  • ✝️ Femizid, also die Tötung einer Frau

  • 👀 Stalking

  • 🙅 Diskriminierung

  • 🤬 Emotionale Gewalt z.B. Demütigung, Bloßstellen, Drohung, Erpressung

  • 🚨 Sexistische Verhaltensweisen im Alltag, wie frauenfeindliche Witze

  • ⚖️ Strukturelle Machtverhältnisse, die Frauen beispielsweise in ökonomischer Hinsicht benachteiligen (z.B. Gender Pay Gap)

  • 🔓 Einschränkung der persönlichen Freiheit, z.B. wenn Frauen bestimmte Orte, Wege, Situationen meiden müssen, um keiner Belästigung oder Bedrohung ausgesetzt zu sein

Dass vermehrt Frauen, sowie Trans*Personen und nicht-binäre Menschen, Gewalt erfahren, liegt in den gesellschaftlichen Strukturen und am Machtungleichgewicht zwischen den Geschlechtern.

Gewalt an Frauen* gibt es auf der ganzen Welt, in allen Kulturen, Religionen und Gesellschaften und ist Ausdruck des weltweit vorherrschenden patriarchale System.

Sexistische Witze, Catcalling und Dickpics

Sexistische Witze sind „Scherze“, die Frauen herabwürdigen oder diskriminieren. Sie werden manchmal als harmlos abgetan, zeigen aber, dass es in der Gesellschaft immer noch Sexismus gibt. Solche Witze verbreiten alte Rollenbilder und behindern Gleichberechtigung. Oft werden sie nicht als Sexismus erkannt, weil sie „nur ein Scherz“ sein sollen. Gerade das ist gefährlich: Es zeigt, wie tief Sexismus im Alltag steckt – sogar in scheinbar harmlosen Situationen.

Catcalling bedeutet, dass jemand einer Person – meist Frauen – in der Öffentlichkeit sexuelle Bemerkungen, Pfeifen, Nachrufen oder Gesten hinterherruft. Täter:innen nennen das oft ein „Kompliment“, aber für Betroffene ist es sexuelle Belästigung. Viele Frauen fühlen sich dadurch eingeschüchtert und unsicher. Die Kommentare beziehen sich fast immer auf den Körper oder das Aussehen und reduzieren Frauen damit auf ihr Äußeres. Die Täter:innen glauben, sie dürften den Körper einer Frau ungefragt beurteilen – ein deutliches Machtverhalten.

Dickpics sind Penisbilder, die ungefragt am größtenteils weibliche Empfängerinnen versendet werden. Warum verschicken Männer Dickpics? Das ist nicht ganz klar. Einige geben an, die andere Person sexuell erregen zu wollen oder hoffen im Gegenzug darauf, ein ähnliches Bild zu erhalten. Das ist allerdings so gut wie nie der Fall. Es handelt sich nämlich auch hier um eine Form der sexuellen Belästigung, die bei Frauen Ekel, Scham, Schock oder Überforderung auslöst. Es wird deshalb vermutet, dass es sich beim Versenden solcher Fotos um eine Machtdemonstration handelt, um die Empfänger:in in eine unangenehme Situation zu bringen.

Alles Scheiße, aber was kann man machen?

  • 🚫 Auf keinen Fall sollte man sich selbst die Verantwortung für das Fehlverhalten anderer geben. Die Schuld liegt alleine bei den Täter:innen und ihre Taten sagen nichts über die betreffende Person persönlich aus.

  • 💬 Wenn du dich danach fühlst, kannst du frauenfeindliche oder sexistische Witze oder Bemerkungen klar benennen und dein Gegenüber darauf ansprechen. Aussagen, mit denen man nicht einverstanden ist, müssen und sollen nicht weglächelt oder verharmlost werden.

  • ‼️ Fehlverhalten enttarnen, indem man laut sagt, was die Person gerade tut und was sie stattdessen tun sollte, z.B. „Hör mit dem Gestöhne auf und geh weiter!“. Häufig wird der Person erst dann bewusst, was sie gerade macht oder es ist ihr peinlich, vor allem, wenn es mehrere außenstehende Personen hören.

  • 🙈 Manchmal ist es der sicherere und schnellere Weg, auf Catcalling oder sexuelle Belästigungen nicht zu reagieren. Auch das ist in Ordnung! Generell gilt: Handle immer so, wie es für dich gerade passend ist. Wenn der Person keine Aufmerksamkeit oder Beachtung geschenkt wird, endet die Situation meist schnell.

  • 🛟 Wenn du übergriffiges Verhalten bei anderen wahrnimmst, setzt dich für die belästigte Person ein. Du kannst auf das Fehlverhalten hinweisen und gibts der anderen Person gleichzeitig das Gefühl nicht alleine zu sein.

  • 📱 Dickpics oder andere Formen von digitalen sexuellen Belästigungen sind Straftaten und können der Postpolizei gemeldet werden.

  • 🚓 Die Polizei rufen! Auch wenn es sich „nur“ um verbale sexuelle Belästigung handelt, ist es in Ordnung und richtig, die Polizei zu rufen, wenn man das Gefühl hat Hilfe zu brauchen.

Verbale oder digitale sexuelle Belästigungen sind eine von zahlreichen Formen von Gewalt an Frauen*.

4 psychologische Formen von geschlechterspezifischer Gewalt

Gewalt gegen Frauen ist nicht immer sofort erkennbar. Sie kann durch kleine Gesten, Worte, bestimmte Einstellungen oder Verhaltensweisen gezeigt werden. Diese Formen der Gewalt schränken die Freiheit ein und machen das Selbstwertgefühl kleiner.

Diese Art von Gewalt ist sehr verborgen. Sie kommt langsam in den Alltag und kann am Anfang sogar wie Liebe, Aufmerksamkeit oder Fürsorge wirken. Aber das ist keine Liebe!

Gewalt ist zum Beispiel, wenn jemand immer wissen will, wo du bist und was du machst. Oder wenn jemand sagt: „Wenn du mich liebst, machst du, was ich will.“
Es bedeutet auch, dass die Realität verdreht wird, sodass du an dir selbst zweifelst. Dazu gehören ständige Kritik und Beleidigungen, die dein Selbstwertgefühl immer weiter schwächen.

Kontrolle

Wer Kontrolle ausübt, möchte Macht über eine andere Person haben. Diese Person bestimmt Regeln und entscheidet, was erlaubt ist und was nicht.
Dazu kann gehören, dass man Freund:innen nicht frei treffen darf, dem Partner Nachrichten auf dem Handy zeigen muss oder jede Geldausgabe erklären soll – sogar wenn es das eigene, selbst verdiente Geld ist.


Was bewirkt das?

Wenn jemand dich ständig kontrolliert, führt das oft zu Isolation.
Man verliert den Kontakt zu Freund:innen und Familie und hat irgendwann kaum noch eigene Entscheidungsmöglichkeiten. Viele Betroffene fühlen sich machtlos.


Was kann man tun?

Es ist schwer zuzugeben, dass jemand anderes die Kontrolle über dich hat.
Wenn du dich in diesen Situationen wiedererkennst, dann ist wichtig zu wissen: Das ist Gewalt! Und es gibt Hilfe.

Sprich mit einer Vertrauensperson oder kontaktiere eine Beratungsstelle gegen Gewalt.
Wenn du eine Frau kennst, die so etwas erlebt, dann hör ihr zu, glaub ihr und biete Hilfe ohne Vorurteile an.

Manipulation

Psychische Manipulation ist eine Form von Gewalt. Sie sorgt dafür, dass Frauen ständig an sich selbst und an ihrer Wahrnehmung zweifeln.
Drohungen, ein Verhalten von „Ich bin besser als du“, aber auch plötzliche Freundlichkeit oder Zuneigung bringen die Betroffenen emotional durcheinander.
Die Person, die Gewalt ausübt, möchte volle Kontrolle haben.

In der stärksten Form nennt man das Gaslighting – also wenn jemand sagt:
„Das bildest du dir ein.“
„Du bist zu sensibel.“
„Du übertreibst ständig.“


Was bewirkt das?

Manipulation führt zu Schuldgefühlen und Unsicherheit. Betroffene glauben oft, sie seien nicht gut genug und würden schlechte Behandlung „verdienen“.
Manipulation hat das Ziel, die Gedanken und Gefühle einer Person zu kontrollieren – und dadurch Macht auszuüben.


Was kann man tun?

Wenn man sich schuldig fühlt oder denkt, man sei „nicht gut genug“, fällt es schwer, Hilfe zu suchen.
Aber wichtig ist: Manipulation ist Gewalt. Und niemand muss sich dafür schämen.

Sprich mit Vertrauenspersonen oder wende dich an eine Beratungsstelle gegen Gewalt.
Wenn du eine Frau kennst, die in so einer Situation ist: Hör ihr zu, glaub ihr und biete Hilfe ohne Vorurteile an.

Erpressung

Emotionale Erpressung heißt, dass der Partner Kontrolle ausübt, indem er die Gefühle der Frau ausnutzt – zum Beispiel Schuld, Angst, Liebe oder Verantwortungsgefühl.
Typisch sind Drohungen, Schuldzuweisungen oder der Satz:
„Wenn du mich wirklich lieben würdest, würdest du mich nicht so wütend machen.“
Oder:
„Wenn du mich verlässt, wirst du niemanden finden, der dich so liebt wie ich.“

Oft verspricht die Person auch, dass sich alles ändern wird – diese Versprechen werden aber fast nie gehalten. Manche drohen sogar damit, sich selbst zu verletzen, um Druck auszuüben.


Was bewirkt das?

Emotionale Erpressung führt zu starker Verunsicherung, schwächt das Selbstwertgefühl und kann dazu führen, dass die betroffene Person emotional abhängig vom Täter wird.


Was kann man tun?

Emotionale Erpressung ist eine Form von Gewalt.
Wenn du so etwas erlebst, sprich mit Vertrauenspersonen oder wende dich an eine Beratungsstelle gegen Gewalt.

Wenn du eine Frau kennst, die in so einer Situation ist: Hör ihr zu, glaub ihr und biete Hilfe ohne Vorurteile an.

Erniedrigung

Erniedrigung bedeutet, dass eine Frau durch Beleidigungen, verbale Angriffe, ständige Kritik oder Demütigungen verletzt wird – manchmal sogar vor Kindern, Verwandten oder Freund:innen.
Dahinter steckt ein systematisches Verhalten, das die Frau kleinmachen und unglaubwürdig wirken lassen soll.

Typische Sätze sind zum Beispiel:
„Du bist nichts wert.“
„Du Loserin.“
„Wenn du sprichst, kommt nur Luft aus deinem Mund.“


Was bewirkt das?

Wenn jemand immer wieder schlecht behandelt und klein gemacht wird, beginnt die Person irgendwann zu glauben, dass sie wirklich wertlos sei.
Aus Selbstzweifeln wird Unsicherheit, und am Ende kann eine emotionale Abhängigkeit vom Täter entstehen.


Was kann man tun?

Erniedrigung ist Gewalt!
Wenn du so etwas erlebst, sprich mit Vertrauenspersonen oder wende dich an eine Beratungsstelle gegen Gewalt.

Wenn du eine Frau kennst, die das erlebt: Hör ihr zu, glaub ihr und unterstütze sie ohne Vorurteile.
Und wenn du mitbekommst, dass eine Frau kleingemacht wird: Schau nicht weg!
Biete Hilfe an oder suche andere Personen, die gemeinsam mit dir unterstützen können.

Egal ob es sich um körperlicher, psychischer, sexualisierter oder ökonomische Gewalt geht – es gibt Hilfe und Unterstützungsangebote! Bei vielen kann man sich auch anonym, kostenlos und unverbindlich melden. Wenn du Gewalt erfahren hast oder erfährst, zögere nicht dir Hilfe zu suchen!

Es gibt Hilfe! Notrufnummern und Hilfsangebote

Wenn du selbst Gewalt erfahren hast oder erfährst, hol dir Hilfe

BOZEN
GEA Kontaktstelle gegen Gewalt 
Tel. 800 276 433 | www.casadelledonnebz.it 
Haus der geschützten Wohnungen
Tel. 800 892 828 | www.hdgw.it 

MERAN
Frauen gegen Gewalt

Tel. 800 014 008 | www.donnecontrolaviolenza.org 

BRUNECK
Beratungsstelle für Frauen in Gewaltsituationen

Frauenhausdienst Pustertal
Tel. 800 310 303www.bezirksgemeinschaftpustertal.it

BRIXEN
Beratungsstelle für Frauen in Gewaltsituationen

Frauenhausdienst Eisacktal
Tel. 800 601 330 | www.bzgeisackta

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