Die Pflichtimpfungen erklärt

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In Italien gibt es zehn Pflichtimpfungen, welche im Kindesalter das erste Mal verabreicht werden. Manche davon muss man über das Leben hinweg immer wieder auffrischen, andere sind nach einer Grundimmunisierung ein Leben lang sehr effektiv. Durch die Impfkampagnen der letzten Jahrzehnte konnten viele schwere Krankheiten beinahe ausgerottet werden. In Europa kommen einige der Krankheiten, gegen welche die Bevölkerung geimpft wird, kaum mehr vor. Pocken konnten zum Beispiel durch weltweite Impfkampagnen vollständig ausgerottet werden.

Dies ist ein Erfolg, welcher nicht selbstverständlich ist – Wissenschaftler*innen, Ärzt*innen und das Gesundheitspersonal haben zusammen mit der Bevölkerung über viele Jahre hinweg dafür gesorgt. Leider können bereits zurückgedrängte Krankheiten durch einen Nachlass des Impfschutzes der Bevölkerung wieder verstärkt auftreten.  In anderen Ländern treten diese Krankheiten nach wie vor häufig auf und können von dort eingeschleppt werden. Kleine lokale Ausbrüche hierzulande können sich schneller stark ausbreiten, wenn der Impfschutz der Bevölkerung nicht genügend groß ist.

In Südtirol gibt es seit Juli 2017 ein Gesetz, welches manche Impfungen zu Pflichtimpfungenmacht. Dieses Gesetzzielt darauf ab, den allmählichen Rückgang an Impfungen seit 2013 entgegenzutreten. Dieser Rückgang hat dazu geführt, dass manche Krankheiten wieder häufiger auftreten, da die Schwelle von 95 Prozent der Immunisierten nicht mehr in der Bevölkerung vertreten ist.

Krankheiten, welche in manchen Ländern Europas wieder vermehrt auftreten, sind Masern, Keuchhusten und Diphterie. In Italien ist eine Durchimpfungsrate von 95 Prozent vielerorts nicht gegeben. Auch die Auffrischungsimpfungen werden oft vergessen. Dieser Artikel erklärt dir nun, gegen welche Krankheiten die Pflichtimpfungen schützen, und wann diese verabreicht werden. Wichtig sind hier auch die Termine der Auffrischimpfungen, welche im Jugend- und Erwachsenenalter stattfinden.

Die Pflichtimpfungen schützen gegen folgende Krankheiten:

  • Kinderlähmung (Poliomyelitis) wird durch Polioviren verursacht, welche über Berührungen, Nahrung und Speicheltropfen übertragen werden. Bei einer*m von 200 Infizierten kommt es zu Lähmungen der Nervenzellen, welche bei den Beinen beginnen. Überlebende tragen oft Dauerschäden davon. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war die Krankheit sehr verbreitet, durch den Einsatz von Impfstoffen tritt sie in Europa nur noch sehr selten auf.

  • Diphterie wird durch ein Bakterium (Corynebacterium diphtheriae) ausgelöst. Übertragen wird dieses über Tröpfchen (Niesen, Sprechen, Husten, Atmen) und Kontakt mit offenen Wunden. Die Bakterien siedeln sich im Rachen in der Gegend der Mandeln an und bilden dort ein Gift. Dieses kann schwere Schädigungen in den Organen (Leber, Nieren, Herz) und Nerven verursachen. Vor Einführung der Impfung stellte die Diphtherie in Italien eine sehr häufige Erkrankung dar: bis zum Jahr 1940 wurden erkrankten jährlich 20.000-30.000 Kinder daran, etwa 1.500 starben. In Ländern mit hoher Durchimpfungsrate ist die Diphtherie sehr selten geworden.

  • Tetanus (Wundstarrkrampf) wird durch ein Bakterium (Clostridium tetani) verursacht. Diese leben in der Erde, in Tierexkrementen und im Staub. Sie gelangen über Wunden in den Körper. Diese Wunden müssen nicht groß sein, kleinste Verletzungen durch Splitter oder Dornen reichen aus. Der Erreger wandert ins Rückenmark und ins Gehirn und blockiert die Verbindungsstellen zwischen den Nerven. Dies führt anfangs zu Müdigkeit und Kopfschmerzen, dann Muskelversteifungen im Nacken und Kiefer, Sprechen und Kauen wird schwierig. Später tritt eine Starre des gesamten Körpers zusammen mit Atem- und Kreislaufproblemen ein.

In Italien gib es jährlich nur mehr um die 35 Fälle, wobei dies mehr als die Hälfte aller jährlichen Fälle in Europa ausmacht.

  • Hepatitis B wird durch ein Virus verursacht und gehört zu den häufigsten Infektionskrankheiten der Welt. Übertragen wird das Virus über den Kontakt mit Körperflüssigkeiten Infizierter, die Inkubationszeit kann lange sein. Eine Infektion kann sehr unterschiedlich verlaufen, sie beginnt meist mit Müdigkeit, Gelenk- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Fieber und Leberschmerzen. Einige Tage später zerstört das Virus die Leberzellen. Sichtbar wird dies durch die Gelbsucht, bei der sich die Haut gelb färbt, sowie ein heller Stuhlgang und dunkler Urin. Im chronischen Stadium (5 bis 10 Prozent der Erwachsenen, 30 bis 50 Prozent der kleinen Kinder) kann sie eine Leberzirrhose und Lebertumore verursachen.

  • Keuchhusten wird durch ein Bakterium (Bordetella pertussis) verursacht. Die Krankheit ist hochansteckend und wird über Tröpfchen verbreitet. Eine infizierte Person ist vom ersten Husten an ca. fünf Wochen lang ansteckend. Anfänglich sind die Hustenanfälle noch unauffällig, nach ein bis zwei Wochen werden sie krampfartig teils bis zum Erbrechen. Diese Hustenanfälle können auch Lungenüberblähungen, eine eitrige Bronchitis und Bewusstlosigkeit durch Sauerstoffmangel auslösen. Insbesondere Säuglinge und Kleinkinder sind stark gefährdet einen Atemstillstand zu erleiden. Die Infektionszahlen von Keuchhusten sind in Europa wieder steigend.  
  • Masern werden durch das Masernvirus ausgelöst, welches über die Luft beim Niesen und Husten übertragen wird. Masern sind bereits vor dem Ausbruch des Hautausschlages hochansteckend. Neben dem Ausschlag treten auch Fieber, Schnupfen, Husten und Bindehautentzündung als Symptome auf. Das Virus schwächt die Abwehrkräfte des Körpers so sehr, dass über mehrere Jahre hinweg das Risiko höher ist, an einer anderen Infektionskrankheit zu sterben. Bei zirka 20 Prozent der Erkrankten treten zusätzlich andere Krankheiten auf, wie Bronchitis, Mittelohr- oder Lungenentzündungen.

  • Haemophilus influenzae B wird ausgelöst durch ein Bakterium (Haemophilus influenzae) welches den Nasen-Rachen-Raum infiziert und über Tröpfchen übertragen wird. Oft löst das Bakterium keine Beschwerden aus, in einigen Fällen kann es aber schwere Erkrankungen verursachen. Haemophilus influenzae B zählt zu den schwersten bakteriellen Infektionen der ersten fünf Lebensjahre und endet oft tödlich. Die Krankheit äußert sich durch Fieber und Erbrechen, kann aber auch zu einer Hirnhautentzündung, Entzündung des Kehlkopfdeckels, Blutvergiftung und Lungenentzündung führen.

Eine Impfung wird also nach wie vor vom Gesundheitsamt stark empfohlen.

  • Mumps wird durch das Mumps-Virus, welches über Tröpfchen übertragen wird, verursacht. Das Virus löst eine Entzündung der Ohrspeicheldrüse und Fieber aus. Manchmal verläuft eine Infektion auch ganz ohne Symptome. Umso älter man ist, umso wahrscheinlicher ist es, dass man Symptome und Komplikationen hat. Dazu zählen Hirnhautentzündungen und Schwerhörigkeit. Bei jugendlichen Betroffenen mit Hoden kann das Virus bei 10 bis 30 Prozent eine Schwellung dieser auslösen, welche unfruchtbar machen kann. Bei Personen mit Eierstöcken können sich diese entzünden. Zwischen 2008 und 2012 wurden in Südtirol durchschnittlich 25 Krankheitsfälle pro Jahr gemeldet, 2011 gab es eine Epidemie mit 220 Krankheitsfällen und zahlreichen Krankenhausaufenthalten wegen Komplikationen.

  • Röteln werden durch das Rötel-Virus verursacht. Auch hier handelt es sich um eine Krankheit, welche über Tröpfchen übertragen wird, aber auch eine Schmierinfektion ist möglich. Für Erwachsene verläuft eine Erkrankung oft schwerer. In der Schwangerschaft wird eine Rötelinfektion auch über die Plazenta auf den Fötus übertragen und verursacht schwere Fehlbildungen am ungeborenen Kind. Auch Fehlgeburten können durch eine Rötelerkrankung verursacht werden. Röteln erkennt man an dem charakteristischen Hautausschlag und der Schwellung der Lymphknoten. Durch das konsequente Impfen der Bevölkerung konnten die Röteln fast ausgerottet werden, es gibt aber immer wieder Jahre, an denen sie verstärkt auftreten.

  • Windpocken (Varizellen, Schafblattern) werden durch das Varizellen-Zoster-Virus verursacht. Dieses ist hochansteckend und wird über eine Tröpfchen- oder Schmierinfektion übertragen. Die Viren können aber auch mehrere Meter über die Luft übertragen werden und fast alle Menschen, welche das erste Mal damit in Kontakt kommen, erkranken daran. Die infizierte Person ist schon zwei Tage vor Ausbruch des charakteristischen, stark juckenden Hautausschlages ansteckend. Neben diesem ist auch Fieber ein klassisches Symptom.

Weitere empfohlene Impfungen

Neben diesen Impfungen empfiehlt die Südtiroler Landesverwaltung auch eine Impfung gegen:

  • das Rotavirus, welches eine Magen-Darm-Erkrankung verursacht

  • Pneumokokken, welche Lungenentzündung, Mittelohrenentzündung und eitrige Hirnhautentzündungen auslösen können

  • Meningokokken B, welche Hirnhautentzündung oder Blutvergiftungen verursachen

  • Meningokokken C, welche ebenso zu Hirnhautentzündung oder Blutvergiftungen führen

Mehr zu den Krankheiten, welche von diesen Impfungen verhindert werden, findest du in der Broschüre „Weil Leben Freude macht“ des Südtiroler Sanitätsbetriebes.

Wann werden die Pflichtimpfungen verabreicht?

Im dritten Lebensmonat werden die ersten Impfungen gegen Diphterie/Tetanus/Keuchhusten, Hepatitis B, Haemophilus influenzae B und gegen die Kinderlähmung verabreicht. Diese Impfkombination wird dann im fünften und elften Lebensmonat nochmals aufgefrischt. Mit zwei Jahren wird die Mumps/Masern/Röteln- und Varizellen-Impfung durchgeführt, diese wird mit sechs Jahren aufgefrischt und man ist nun ein Leben lang immun gegen diese Krankheiten.

Mit sechs Jahren wird auch erneut die Diphterie/Tetanus/Keuchhusten- sowie die Impfung gegen Kinderlähmung aufgefrischt. Mit 15 wird diese Impfkombination erneut verabreicht. Empfohlen wird, diese alle zehn Jahre ein Leben lang aufzufrischen, also wenn man sie mit 15 ein letztes Mal erhalten hat, sie mit 25, 35 etc. zu erneuern, um den Immunschutz so gut wie möglich aufrechtzuerhalten. Hier findest du einen übersichtlichen Kalender dieser Impfungen.

Falls du wissen möchtest, wie es um deinen Impfstatus steht, kannst du dies in deinem Impfpass nachlesen. Diesen solltest du bei deinen Gesundheitsdokumenten zuhause vorfinden. Falls er über die Jahre verloren gegangen ist- auch kein Problem. Du kannst deinen territorialen Hygienedienst per E-Mail anschreiben und ein Erkennungsdokument (z.B. Ausweis) anhängen, um ein PDF mit deinen Impfbescheinigungen zu erhalten. Dort ist genau aufgeschlüsselt, zu welchem Datum du welche Impfung erhalten hast. Es steht auch dabei, nach wie vielen Jahren diese aufgefrischt werden sollten, du kannst dir also die Termine deiner Auffrischimpfungen selbst ausrechnen.

Und die Nebenwirkungen?

Falls du Bedenken bezüglich der Nebenwirkungen der Impfungen hast, kannst du dir dieses Video anschauen:

Falls du im Allgemeinen noch mehr Fragen hast, findest du in derBroschüre über Impfungen des Südtiroler Sanitätsbetriebes viele weitere Informationen. Hier wird erklärt, warum man nach Vollendung des 2. Lebensmonats mit dem Impfen beginnt und wieso Impfungen das Immunsystem nicht schwächen. Geklärt wird auch, dass die in Impfungen enthaltenen Zusatzstoffe in diesen Konzentrationen nicht giftig sind. In einer weiteren Broschüre des Sanitätsbetriebes wird zudem geklärt, dass Impfungen nicht zu Autismus, Epilepsie, Allergien und Asthma führen können.

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